Reifen bei gebrauchten Baumaschinen prüfen: Darauf sollten Sie achten

Wer eine gebrauchte Baumaschine kaufen möchte, sollte die Reifen nicht als nebensächliches Verschleißteil betrachten. Gerade bei Radladern, Mobilbaggern, Teleskopladern, Dumpern, Baggerladern und anderen radgetriebenen Baumaschinen können Reifen einen erheblichen Einfluss auf die tatsächlichen Betriebskosten und die Einsatzbereitschaft der Maschine haben.

 

Ein gebrauchter Radlader kann beispielsweise technisch einen guten Eindruck machen und trotzdem einen erheblichen Investitionsbedarf aufweisen, wenn mehrere Reifen stark verschlissen oder beschädigt sind. Umgekehrt muss ein gebrauchter Reifen mit sichtbaren Gebrauchsspuren nicht automatisch ein Ausschlusskriterium sein. Entscheidend sind der tatsächliche Zustand, das Einsatzprofil, die verbleibende Nutzbarkeit und der Kaufpreis der Maschine.

 

Bei der Prüfung sollten Sie deshalb nicht nur auf die Profiltiefe achten. Ebenso wichtig sind Seitenwände, Lauffläche, Karkasse, Felgen, Reifendruck, Ventile, ungleichmäßiger Verschleiß und mögliche Schäden durch den bisherigen Einsatz.

 

Hinzu kommt: Reifen erzählen häufig etwas über die bisherige Nutzung einer Baumaschine. Stark abgefahrene Außenkanten, unterschiedliche Reifenfabrikate, Beschädigungen an den Flanken oder ein deutlich unterschiedliches Verschleißbild können Hinweise auf hohe Belastungen, falschen Reifendruck, häufiges Rangieren oder Probleme an Fahrwerk und Achsen geben.

 

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Reifen bei gebrauchten Baumaschinen systematisch prüfen, welche Verschleißmerkmale wichtig sind, wann ein Reifen kritisch wird und wie Sie den möglichen Reifenbedarf in Ihre Kaufentscheidung einbeziehen.

 

Warum Reifen bei gebrauchten Baumaschinen so wichtig sind

 

Bei einer radgetriebenen Baumaschine übernehmen die Reifen wesentlich mehr als nur die Fortbewegung. Sie übertragen Antriebskräfte auf den Untergrund, beeinflussen Traktion und Stabilität und müssen gleichzeitig hohe Lasten aufnehmen.

 

Bei einem Radlader kommen beispielsweise hohe Schubkräfte beim Befüllen der Schaufel hinzu. Ein Teleskoplader muss Lasten sicher transportieren und je nach Einsatz auch auf unebenem Untergrund arbeiten. Bei einem Mobilbagger spielen Straßenfahrten, Baustellenfahrten, Bremsen und Lenkung eine besondere Rolle.

 

Der richtige Reifendruck beeinflusst dabei unter anderem Tragfähigkeit, Traktion, Stabilität, Rollwiderstand und Verschleiß. Michelin weist darauf hin, dass sowohl zu niedriger als auch zu hoher Reifendruck negative Auswirkungen auf Reifenlebensdauer, Fahrverhalten und Sicherheit haben kann.

 

Beim Kauf einer gebrauchten Baumaschine sollten die Reifen daher immer als Bestandteil des gesamten technischen Zustands betrachtet werden.

 

Welche Baumaschinen haben besonders wichtige Reifen?

 

Eine Reifenprüfung ist insbesondere bei folgenden gebrauchten Baumaschinen relevant:

  • Radlader
  • Mobilbagger
  • Teleskoplader
  • Baggerlader
  • Raddumper
  • Muldenkipper
  • Hoflader
  • Schwenklader
  • Stapler für den Baustelleneinsatz
  • mobile Arbeitsmaschinen mit Straßen- oder Geländereifen

 

Bei Kettenbaggern und Raupenmaschinen steht dagegen das Kettenlaufwerk im Mittelpunkt. Bei einer Maschine auf Rädern sollten Reifen und Räder hingegen einen festen Bestandteil der Kaufprüfung bilden.

 

Reifen bei gebrauchten Baumaschinen: Die wichtigsten Prüfpunkte

 

Bei einer systematischen Reifenprüfung sollten Sie mindestens folgende Bereiche kontrollieren:

  • Profiltiefe
  • Profilbild
  • Lauffläche
  • Seitenwände
  • Schulterbereiche
  • Karkasse
  • Risse
  • Schnitte
  • Ausbrüche
  • Beulen und Verformungen
  • Reifendruck
  • Ventile
  • Felgen
  • Radbefestigungen
  • gleichmäßiger Verschleiß
  • Reifenalter und Zustand
  • Reifengröße und Tragfähigkeit
  • Übereinstimmung der Bereifung

 

Die Reifen sollten dabei einzeln kontrolliert werden. Ein kurzer Blick auf die Maschine reicht nicht aus.

 

Profiltiefe bei gebrauchten Baumaschinen prüfen

 

Die Profiltiefe ist einer der ersten Punkte, auf die Käufer achten. Sie allein sagt jedoch noch nicht ausreichend viel über den Zustand eines Reifens aus.

 

Ein Reifen kann noch relativ viel Profil besitzen und trotzdem durch Risse, Schnitte, Karkassenschäden oder andere strukturelle Probleme kritisch sein.

 

Umgekehrt kann ein Reifen mit weniger Profil für bestimmte Einsätze noch wirtschaftlich nutzbar sein, wenn sein Gesamtzustand entsprechend gut ist und die Einsatzbedingungen dies zulassen.

 

Michelin empfiehlt, den Verschleiß an mehreren Stellen des Reifens zu kontrollieren und bei der Beurteilung nicht nur einen einzelnen Messpunkt heranzuziehen.

 

Für die Kaufentscheidung bedeutet das: Profiltiefe messen, aber nicht isoliert bewerten.

 

Ungleichmäßiger Reifenverschleiß ist ein wichtiges Warnsignal

 

Besonders interessant ist das Verschleißbild.

 

Ein gleichmäßig abgenutzter Reifen kann auf eine normale Nutzung hindeuten. Stark ungleichmäßiger Verschleiß sollte dagegen genauer untersucht werden.

 

Achten Sie beispielsweise auf:

  • stärkeren Verschleiß an der Außenschulter
  • stärkeren Verschleiß an der Innenschulter
  • stärkeren Verschleiß in der Profilmitte
  • unterschiedlichen Verschleiß zwischen Vorder- und Hinterachse
  • unterschiedlichen Verschleiß links und rechts
  • unterschiedliche Abnutzung einzelner Reifen
  • unregelmäßige Auswaschungen oder Sägezahnbildung

 

Ungleichmäßiger Verschleiß kann unter anderem mit Reifendruck, Fahrweise, Einsatzbedingungen oder technischen Problemen im Bereich von Fahrwerk, Achsen oder Lenkung zusammenhängen.

 

Michelin nennt beispielsweise falschen Reifendruck und häufiges Reiben beziehungsweise „Scrubbing“ bei engen Fahrmanövern als mögliche Faktoren für erhöhten oder ungleichmäßigen Verschleiß.

 

Reifenflanken bei gebrauchten Baumaschinen besonders genau prüfen

 

Die Seitenwand eines Baumaschinenreifens verdient besondere Aufmerksamkeit.

 

Sie ist hohen Belastungen ausgesetzt und kann beispielsweise durch Steine, Kanten, Baustellenmaterial oder Kontakt mit anderen Hindernissen beschädigt werden.

 

Prüfen Sie jede Reifenflanke auf:

  • Risse
  • Schnitte
  • Einschnitte
  • Beulen
  • Verformungen
  • Abschürfungen
  • freiliegende Karkassenbestandteile
  • ungewöhnliche Druckstellen

 

Michelin empfiehlt bei sichtbaren Schnitten, Perforationen oder Verformungen an Lauffläche, Seitenwand oder Flanschbereich eine gründliche Untersuchung durch einen Reifenfachmann.

 

Gerade bei schweren Erdbewegungsmaschinen sollte ein sichtbarer struktureller Schaden deshalb nicht einfach als normale Gebrauchsspur abgetan werden.

 

Risse in Baumaschinenreifen: Wann wird es kritisch?

 

Nicht jeder kleine oberflächliche Riss hat automatisch dieselbe Bedeutung. Entscheidend sind unter anderem Position, Tiefe, Ausmaß und mögliche strukturelle Beteiligung.

 

Besonders kritisch können Risse sein:

  • an den Seitenwänden
  • im Bereich der Karkasse
  • an den Wulstbereichen
  • in stark belasteten Bereichen
  • in Kombination mit Beulen oder Verformungen
  • in Verbindung mit sichtbaren Karkassenbestandteilen

 

Michelin weist ausdrücklich darauf hin, dass Reifen mit bestimmten strukturellen Schäden nicht weiter betrieben werden sollten und eine fachkundige Beurteilung erforderlich sein kann.

 

Als Käufer sollten Sie bei einem auffälligen Reifen daher nicht selbst entscheiden, dass es sich lediglich um einen kosmetischen Schaden handelt. Im Zweifel sollte ein qualifizierter Reifenfachbetrieb hinzugezogen werden.

 

Beulen und Verformungen an Reifen prüfen

 

Eine sichtbare Beule oder ungewöhnliche Verformung ist ein Warnsignal.

 

Der Reifen sollte sowohl von außen als auch möglichst aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Achten Sie darauf, ob sich die Seitenwand oder Lauffläche gleichmäßig darstellt.

 

Ungewöhnliche Verformungen können auf innere Schäden hindeuten. Bei einem gebrauchten Radlader, Mobilbagger oder Teleskoplader sollten solche Auffälligkeiten vor dem Kauf fachgerecht beurteilt werden.

 

Reifendruck bei gebrauchten Baumaschinen kontrollieren

 

Der Reifendruck ist ein besonders wichtiger Bestandteil der Prüfung.

 

Allerdings sollte der gemessene Druck nicht einfach mit einem pauschalen Wert verglichen werden. Entscheidend sind Maschine, Reifen, Achslast, Belastung, Einsatzart und Herstellerangaben.

 

Michelin empfiehlt, den Reifendruck bei kalten Reifen zu kontrollieren, da sich der Druck während des Betriebs durch Erwärmung verändert. Gleichzeitig sollte der vom Maschinen- oder Reifenhersteller empfohlene Druck berücksichtigt werden.

 

Beim Gebrauchtkauf kann ein ungewöhnlicher Druckzustand allerdings ein interessanter Hinweis sein.

 

Fragen Sie beispielsweise:

  • Wann wurde der Reifendruck zuletzt kontrolliert?
  • Wurde die Maschine lange abgestellt?
  • Verliert ein Reifen langsam Druck?
  • Wurde ein Reifen bereits repariert?
  • Ist der Druck auf einer Achse unterschiedlich?
  • Passt die Bereifung zur Maschine?

 

Zu niedriger Reifendruck: Welche Folgen kann das haben?

 

Ein zu niedriger Reifendruck kann verschiedene negative Auswirkungen haben.

 

Dazu gehören unter anderem:

  • erhöhter Rollwiderstand
  • höhere Wärmeentwicklung
  • stärkerer Verschleiß
  • reduzierte Tragfähigkeit
  • Beeinträchtigung von Traktion und Fahrverhalten
  • höheres Risiko für Reifenschäden

 

Michelin beschreibt bei unterinflationierten Erdbewegungsreifen unter anderem erhöhten Verschleiß an den äußeren Profilbereichen, höhere Rollwiderstände und eine mögliche Überhitzung.

 

Bei einer gebrauchten Baumaschine kann ein entsprechendes Verschleißbild deshalb ein Grund sein, genauer nach der bisherigen Wartung und Nutzung zu fragen.

 

Zu hoher Reifendruck: Nicht automatisch besser

 

Auch ein zu hoher Reifendruck ist kein Qualitätsmerkmal.

 

Ein überhöhter Druck kann unter anderem:

  • den Verschleiß in der Profilmitte erhöhen
  • die Traktion unter bestimmten Bedingungen reduzieren
  • den Fahrkomfort verschlechtern
  • die Belastung des Reifens beeinflussen

 

Michelin weist ausdrücklich darauf hin, dass sowohl Unter- als auch Überdruck negative Auswirkungen auf Verschleiß und Einsatzverhalten haben können.

 

Deshalb sollte beim Gebrauchtkauf nicht die Frage gestellt werden, ob ein Reifen „viel Luft“ hat, sondern ob der Druck für die konkrete Maschine und den vorgesehenen Einsatz korrekt ist.

 

Reifen und Felgen gemeinsam prüfen

 

Ein Reifen sollte niemals unabhängig von der Felge betrachtet werden.

 

Kontrollieren Sie die Felgen auf:

  • Risse
  • Verformungen
  • Korrosion
  • Beschädigungen
  • auffällige Schweißstellen
  • Probleme im Bereich des Reifenwulstes

 

Auch die Radbefestigungen sollten kontrolliert werden.

 

Michelin empfiehlt bei der Inspektion von Erdbewegungsreifen ausdrücklich auch die Kontrolle der Felgen und weist darauf hin, dass beschädigte Komponenten fachgerecht untersucht werden müssen.

 

Ventile und Ventilkappen kontrollieren

 

Die Ventile wirken auf den ersten Blick nebensächlich, sind aber Bestandteil des Reifensystems.

 

Kontrollieren Sie:

  • Ventilzustand
  • Ventilkappe
  • mögliche Undichtigkeiten
  • Beschädigungen
  • Verschmutzungen

 

Michelin empfiehlt, bei jeder Inspektion auch den Zustand der Ventilkappe zu kontrollieren und sie bei Zweifeln auszutauschen.

 

Reifengröße und Tragfähigkeit prüfen

 

Beim Kauf einer gebrauchten Baumaschine sollte geprüft werden, ob die montierten Reifen zur Maschine passen.

 

Wichtig sind unter anderem:

  • Reifengröße
  • Reifentyp
  • Tragfähigkeitsanforderungen
  • Geschwindigkeitsanforderungen
  • Einsatzprofil
  • Achslasten
  • Felgengröße

 

Ein optisch passender Reifen ist nicht automatisch technisch für jede Maschine und jeden Einsatz geeignet.

 

Gerade bei einem gebrauchten Teleskoplader, Radlader oder Mobilbagger sollten deshalb die tatsächlichen Reifenkennzeichnungen dokumentiert und mit den Angaben des Maschinenherstellers abgeglichen werden.

 

Unterschiedliche Reifen auf einer gebrauchten Baumaschine

 

Bei einer gebrauchten Maschine kann es vorkommen, dass nicht alle Reifen gleich sind.

 

Prüfen Sie deshalb:

  • Hersteller
  • Modell
  • Dimension
  • Profil
  • Tragfähigkeit
  • Zustand
  • Alter

 

Unterschiedliche Reifen müssen nicht grundsätzlich problematisch sein. Allerdings sollte nachvollziehbar sein, warum unterschiedliche Bereifung montiert wurde und ob diese Kombination für die Maschine zulässig und für den vorgesehenen Einsatz sinnvoll ist.

 

Reifenalter bei gebrauchten Baumaschinen berücksichtigen

 

Das Reifenalter kann bei der Beurteilung einer gebrauchten Baumaschine ebenfalls relevant sein.

 

Ein Reifen, der wenig Profil verloren hat, kann dennoch aufgrund seines Zustands genauer betrachtet werden müssen. Alterung kann sich unter anderem in Form von Rissen oder Veränderungen des Gummis zeigen.

 

Das Alter sollte daher zusammen mit:

  • Laufleistung beziehungsweise Betriebsstunden
  • Einsatzbedingungen
  • Lagerung
  • Witterungseinflüssen
  • Reifendruckhistorie
  • sichtbarem Zustand

 

bewertet werden.

 

Welche Reifen sind bei einem Radlader sinnvoll?

 

Bei einem gebrauchten Radlader ist die passende Bereifung stark vom Einsatz abhängig.

 

Ein Radlader im Erd- und Tiefbau benötigt möglicherweise andere Eigenschaften als ein Radlader im Recycling, Steinbruch oder auf einem Bauhof.

 

Bei der Beurteilung sollten Sie daher fragen:

  • Auf welchem Untergrund wird die Maschine eingesetzt?
  • Wird viel auf befestigten Flächen gefahren?
  • Wird häufig in Schotter gearbeitet?
  • Werden schwere Materialien geladen?
  • Wie hoch ist der Anteil an Straßenfahrten?
  • Ist hohe Traktion erforderlich?
  • Steht Abriebfestigkeit im Vordergrund?

 

Michelin führt beispielsweise unterschiedliche Reifenlösungen für Radlader, Dumper, Teleskoplader und weitere Baumaschinen auf und betont die Bedeutung der passenden Auswahl nach Maschine und Einsatzumgebung.

 

Reifen bei gebrauchten Mobilbaggern prüfen

 

Beim gebrauchten Mobilbagger sind die Reifen ein besonders wichtiger Bestandteil des Fahrwerks.

 

Neben dem Reifen selbst sollten Sie auch:

  • Achsen
  • Lenkung
  • Bremsen
  • Radnaben
  • Felgen
  • Abstützungen

 

prüfen.

 

Ein Reifen mit stark einseitigem Verschleiß sollte beispielsweise Anlass sein, das Fahrwerk genauer zu untersuchen.

 

Bei einer Probefahrt sollten Sie außerdem darauf achten, ob die Maschine sauber lenkt, geradeaus läuft und beim Bremsen auffälliges Verhalten zeigt.

 

Reifen bei gebrauchten Teleskopladern prüfen

 

Teleskoplader werden häufig auf Baustellen, im Materialumschlag, in der Landwirtschaft oder im Mietgeschäft eingesetzt. Entsprechend unterschiedlich können die Belastungen der Reifen sein.

 

Besonders wichtig sind:

  • Tragfähigkeit
  • Profilzustand
  • Seitenwände
  • Traktion
  • gleichmäßiger Verschleiß
  • Felgenzustand
  • Reifendruck

 

Da Teleskoplader häufig mit unterschiedlichen Lasten arbeiten, sollte die Bereifung immer im Zusammenhang mit dem zulässigen Einsatz und den jeweiligen Lastbedingungen betrachtet werden.

 

Reifen bei gebrauchten Dumpern prüfen

 

Bei Dumpern können Reifen besonders hohen Belastungen ausgesetzt sein.

 

Je nach Maschine und Einsatz können hohe Nutzlasten, schlechte Fahrwege, scharfkantiges Material und lange Fahrzyklen zusammenkommen.

 

Bei gebrauchten Dumpern sollten Sie deshalb besonders auf:

  • Seitenwandschäden
  • Schnitte
  • Ausbrüche
  • ungleichen Verschleiß
  • übermäßige Erwärmungsspuren
  • Profilzustand
  • Felgen
  • Reifendruck

 

achten.

 

Ein Reifen, der bei einem leichten Einsatz noch akzeptabel sein kann, kann bei einer schweren Transportaufgabe bereits ein erhebliches Risiko darstellen.

 

Was sagt der Reifen über den bisherigen Einsatz der Baumaschine?

 

Reifen können interessante Hinweise auf die Vergangenheit einer Maschine geben.

 

Stark abgeschliffene Außenbereiche können beispielsweise auf häufiges Rangieren oder starkes „Schrubben“ der Reifen hindeuten. Michelin nennt Reibung und Scrubbing bei häufigen engen Fahrmanövern ausdrücklich als Faktor für erhöhten Verschleiß.

 

Starke Schnitte und Ausbrüche können dagegen auf Einsätze in steinigem oder scharfkantigem Material hinweisen.

 

Unterschiedliche Reifen können darauf hindeuten, dass einzelne Reifen bereits ersetzt wurden.

 

Das ist nicht automatisch negativ. Für den Käufer ist es aber interessant zu wissen, warum ein Reifen ersetzt wurde und welche anderen Reifen noch montiert sind.

 

Reifenverschleiß mit den Betriebsstunden vergleichen

 

Auch bei Reifen gilt: Die Betriebsstunden allein erzählen nicht die ganze Geschichte.

 

Ein Radlader mit relativ wenigen Betriebsstunden kann bei sehr schweren Einsätzen stärker beansprucht worden sein als eine Maschine mit deutlich mehr Stunden im leichteren Materialumschlag.

 

Fragen Sie deshalb:

  • Wie wurde die Maschine eingesetzt?
  • Auf welchem Untergrund?
  • Wie viele Fahrstunden wurden absolviert?
  • Wurde häufig auf befestigten Flächen rangiert?
  • Wurde im Steinbruch oder Recycling eingesetzt?
  • Welche Lasten wurden bewegt?
  • Wie häufig wurden Reifen gewechselt?
  • Welche Reifen waren ursprünglich montiert?

 

Erst aus dem Zusammenspiel dieser Informationen lässt sich der Reifenverschleiß sinnvoll einordnen.

 

Reifenwechsel dokumentieren lassen

 

Wenn bei einem gebrauchten Radlader oder Mobilbagger Reifen bereits ersetzt wurden, sollten Sie möglichst nachvollziehen können, wann dies geschehen ist.

 

Interessant sind:

  • Rechnungen
  • Wartungsunterlagen
  • Reifenbezeichnungen
  • Montagedatum
  • ausgetauschte Positionen
  • Gründe für den Austausch

 

Besonders aufschlussreich kann es sein, wenn beispielsweise zwei Reifen deutlich neuer sind als die anderen. Das muss kein Problem sein, sollte aber in die Gesamtbewertung einfließen.

 

Reifenreparaturen bei gebrauchten Baumaschinen prüfen

 

Frühere Reparaturen sollten bei der Besichtigung nicht automatisch negativ bewertet werden. Entscheidend ist, ob sie fachgerecht durchgeführt wurden und ob der Reifen weiterhin sicher eingesetzt werden kann.

 

Bei sichtbaren Reparaturstellen sollten Sie daher genauer hinsehen und im Zweifel einen Fachbetrieb einbeziehen.

 

Michelin weist darauf hin, dass nicht alle Schäden an Erdbewegungsreifen reparierbar sind und Reparaturen von qualifizierten Fachleuten beurteilt und durchgeführt werden sollten.

 

Besonders kritisch sind Schäden, die die strukturelle Integrität des Reifens betreffen.

 

Reifen mit sichtbaren Karkassenschäden nicht unterschätzen

 

Die Karkasse bildet die tragende Struktur des Reifens. Sichtbare Karkassenbestandteile sind deshalb ein deutliches Warnsignal.

 

Auch Beschädigungen an Wulst und Flanke sollten fachgerecht beurteilt werden.

 

Michelin nennt unter anderem sichtbare Karkassenschnüre, Schäden am Wulst, Trennungen zwischen Komponenten und bestimmte Schäden durch Fahren mit zu niedrigem Druck als Gründe, einen Reifen nicht einfach weiterzubetreiben.

 

Felgen und Reifen auf einer gebrauchten Baumaschine prüfen

 

Die Felge wird beim Kauf gebrauchter Baumaschinen häufig weniger beachtet als der Reifen.

 

Das kann ein Fehler sein.

 

Kontrollieren Sie die Felgen auf:

  • Risse
  • Verformungen
  • Korrosion
  • Schweißreparaturen
  • Beschädigungen am Felgenhorn
  • auffällige Befestigungspunkte

 

Eine Beschädigung der Felge sollte vor dem Kauf fachgerecht beurteilt werden.

 

Probefahrt mit der gebrauchten Baumaschine

 

Die Reifen sollten nicht nur im Stand geprüft werden.

 

Eine Probefahrt kann zusätzliche Informationen liefern.

 

Achten Sie auf:

  • ruhigen Geradeauslauf
  • Lenkverhalten
  • Vibrationen
  • ungewöhnliche Geräusche
  • auffälliges Fahrverhalten
  • Bremsverhalten
  • Traktion

 

Bei einem Mobilbagger oder Radlader sollten Sie nach Möglichkeit sowohl Vorwärts- als auch Rückwärtsfahrt testen.

 

Bei auffälligem Verhalten sollte nicht automatisch der Reifen als Ursache angenommen werden. Auch Achsen, Lenkung, Radlager oder andere Fahrwerkskomponenten können beteiligt sein.

 

Nach der Probefahrt Reifen erneut kontrollieren

 

Eine sinnvolle Ergänzung zur statischen Prüfung ist die Kontrolle nach der Probefahrt.

 

Achten Sie darauf, ob:

  • ein Reifen ungewöhnlich warm wirkt
  • neue Geräusche entstanden sind
  • ein Reifen sichtbar Druck verliert
  • ungewöhnliche Verformungen auftreten
  • Öl oder andere Flüssigkeiten an angrenzenden Komponenten sichtbar werden

 

Bei professionellen Prüfungen sollten solche Beobachtungen dokumentiert werden.

 

Reifenprüfung bei kalter Maschine

 

Wenn der Reifendruck beurteilt werden soll, ist der Zustand der Reifen relevant.

 

Michelin empfiehlt, den Reifendruck bei kalten Reifen zu messen. Nach dem Betrieb erwärmen sich die Reifen und der Druck verändert sich.

 

Wenn Sie eine gebrauchte Baumaschine besichtigen, sollten Sie daher möglichst wissen, ob die Maschine zuvor längere Zeit gearbeitet hat oder kalt zur Besichtigung bereitsteht.

 

Was kostet ein neuer Reifen für eine gebrauchte Baumaschine?

 

Die Kosten lassen sich nicht pauschal angeben.

 

Sie hängen unter anderem ab von:

  • Maschinenart
  • Reifengröße
  • Reifenbauart
  • Hersteller
  • Profil
  • Tragfähigkeit
  • Einsatzbereich
  • Montageaufwand
  • Anzahl der zu ersetzenden Reifen

 

Bei einem großen Radlader oder Dumper können mehrere neue Reifen einen erheblichen Betrag ausmachen. Deshalb sollte der Reifenbedarf vor dem Kauf möglichst konkret kalkuliert werden.

 

Ein Reifen oder gleich mehrere Reifen ersetzen?

 

Wenn ein Reifen verschlissen ist, stellt sich die Frage, ob nur dieser Reifen oder mehrere Reifen ersetzt werden sollten.

 

Das hängt unter anderem von:

  • Reifenart
  • Achse
  • Restprofil der anderen Reifen
  • Maschinenkonzept
  • Einsatzbedingungen
  • Herstellervorgaben

 

ab.

 

Bei deutlichen Unterschieden zwischen Reifen auf derselben Achse sollte ein Fachbetrieb beurteilen, welche Lösung technisch sinnvoll ist. Michelin empfiehlt bei anormalem Verschleiß oder deutlichen Verschleißunterschieden zwischen Reifen einer Achse die Konsultation eines Reifenfachmanns.

 

Reifen als Verhandlungsfaktor beim Gebrauchtkauf

 

Ein absehbarer Reifenwechsel kann bei der Preisverhandlung eine Rolle spielen.

 

Allerdings sollte nicht einfach pauschal ein bestimmter Betrag vom Kaufpreis abgezogen werden.

 

Ermitteln Sie stattdessen:

  • Welche Reifen müssen kurzfristig ersetzt werden?
  • Welche Reifen können weiter genutzt werden?
  • Welche Reifen passen zur gewünschten zukünftigen Anwendung?
  • Welche Montagekosten entstehen?
  • Welche weiteren Fahrwerksarbeiten sind möglicherweise notwendig?

 

Danach lässt sich der wirtschaftliche Zustand der Maschine wesentlich besser beurteilen.

 

Der tatsächliche Maschinenpreis ist mehr als der Kaufpreis

 

Gerade bei gebrauchten Baumaschinen ist es sinnvoll, nicht nur auf den Angebotspreis zu schauen.

 

Ein einfaches Beispiel:

 

Eine gebrauchte Maschine kostet 50.000 Euro und benötigt kurzfristig vier neue Reifen. Eine andere Maschine kostet 54.000 Euro, besitzt aber eine deutlich bessere Bereifung und benötigt voraussichtlich keine kurzfristige Reifeninvestition.

 

Der zweite Bagger beziehungsweise Radlader kann trotz höherem Kaufpreis wirtschaftlich interessanter sein.

 

Deshalb sollten Sie immer den Gesamtzustand und den erwarteten Investitionsbedarf vergleichen.

 

Reifenprüfung bei gebrauchten Baumaschinen: Die wichtigsten Warnsignale

 

Besonders aufmerksam sollten Sie werden, wenn mehrere der folgenden Punkte gleichzeitig auftreten:

  • stark unterschiedlicher Reifenverschleiß
  • deutlich unterschiedliche Reifen auf einer Achse
  • tiefe Schnitte
  • Risse in der Seitenwand
  • Beulen
  • sichtbare Karkasse
  • starke Profilunterschiede
  • auffälliger Reifendruck
  • Beschädigungen an den Felgen
  • starke einseitige Abnutzung
  • unklare Reparaturstellen
  • unklare Reifenhistorie
  • sichtbarer Druckverlust

 

Ein einzelnes Merkmal muss noch keinen schlechten Kauf bedeuten. Mehrere Auffälligkeiten sollten jedoch Anlass für eine genauere technische Prüfung sein.

 

Reifencheck beim gebrauchten Radlader: Schritt für Schritt

 

Schritt 1: Alle Reifen identifizieren

 

Notieren Sie Hersteller, Dimension, Profil und sichtbare Besonderheiten jedes Reifens.

 

Schritt 2: Maschine rundum kontrollieren

 

Betrachten Sie die Maschine aus mehreren Perspektiven und vergleichen Sie Vorder- und Hinterachse.

 

Schritt 3: Laufflächen prüfen

 

Messen Sie die Profiltiefe an mehreren Stellen und kontrollieren Sie das Verschleißbild.

 

Schritt 4: Seitenwände kontrollieren

 

Suchen Sie nach Rissen, Schnitten, Beulen und anderen Beschädigungen.

 

Schritt 5: Felgen kontrollieren

 

Achten Sie auf Risse, Verformungen, Korrosion und Reparaturstellen.

 

Schritt 6: Reifendruck messen

 

Vergleichen Sie den gemessenen Druck mit den Angaben des Maschinen- beziehungsweise Reifenherstellers und berücksichtigen Sie, ob der Reifen kalt ist.

 

Schritt 7: Ventile prüfen

 

Kontrollieren Sie Ventile und Ventilkappen auf Beschädigungen und mögliche Undichtigkeiten.

 

Schritt 8: Fahrwerk kontrollieren

 

Bei auffälligem Reifenverschleiß sollten auch Achsen, Lenkung und weitere Fahrwerkskomponenten geprüft werden.

 

Schritt 9: Probefahrt durchführen

 

Testen Sie Lenkung, Geradeauslauf, Bremsen und Fahrverhalten.

 

Schritt 10: Reifenbedarf kalkulieren

 

Ermitteln Sie, welche Reifen kurzfristig und mittelfristig ersetzt werden müssen und berücksichtigen Sie diese Kosten bei der Kaufentscheidung.

 

Gebrauchten Radlader kaufen: Reifen sind ein zentraler Kostenfaktor

 

Beim Kauf eines gebrauchten Radladers sollte der Reifenprüfung besondere Aufmerksamkeit zukommen. Radlader arbeiten häufig mit hohen Lasten und erheblichen Schubkräften.

 

Besonders wichtig sind deshalb:

  • Profilzustand
  • Seitenwände
  • Tragfähigkeit
  • Reifendruck
  • Felgen
  • gleichmäßiger Verschleiß
  • Traktion

 

Zusätzlich sollte das Einsatzprofil berücksichtigt werden. Ein Radlader für den GaLaBau hat andere Anforderungen als ein Radlader im Steinbruch oder Recyclingbetrieb.

 

Gebrauchten Mobilbagger kaufen: Reifen und Fahrwerk prüfen

 

Beim Mobilbagger sollte die Reifenprüfung mit der Kontrolle von Achsen, Lenkung, Bremsanlage und Abstützungen verbunden werden.

 

Besonders auffälliger einseitiger Reifenverschleiß sollte genauer untersucht werden.

 

Auch bei einer kurzen Probefahrt lassen sich mögliche Auffälligkeiten feststellen. Der Mobilbagger sollte sich kontrolliert lenken und bremsen lassen und keine ungewöhnlichen Geräusche oder Vibrationen zeigen.

 

Gebrauchten Teleskoplader kaufen: Bereifung passend zum Einsatz

 

Beim Teleskoplader spielt die Kombination aus Reifen, Tragfähigkeit, Traktion und Einsatzprofil eine wichtige Rolle.

 

Ein Teleskoplader, der regelmäßig schwere Lasten auf unebenem Baustellengelände bewegt, stellt andere Anforderungen an die Bereifung als eine Maschine, die überwiegend auf befestigten Hofflächen eingesetzt wird.

 

Die vorhandenen Reifen sollten deshalb immer mit dem zukünftigen Einsatz des Käufers verglichen werden.

 

Gebrauchte Baumaschine mit schlechten Reifen kaufen?

 

Grundsätzlich kann eine gebrauchte Baumaschine mit verschlissenen Reifen interessant sein.

 

Voraussetzung ist eine realistische wirtschaftliche Bewertung.

 

Wenn die Maschine ansonsten einen guten technischen Zustand besitzt und der Kaufpreis den Reifenbedarf berücksichtigt, kann ein solcher Kauf sinnvoll sein.

 

Problematisch wird es dagegen, wenn neben den Reifen gleichzeitig:

  • Achsen Spiel aufweisen
  • die Lenkung Probleme macht
  • Bremsen verschlissen sind
  • Felgen beschädigt sind
  • Hydraulik undicht sind
  • Motor oder Getriebe Probleme zeigen

 

Dann summieren sich mehrere Reparaturpositionen und aus einem vermeintlichen Schnäppchen kann schnell eine teure Maschine werden.

 

Reifenprüfung und Gesamtzustand miteinander verbinden

 

Eine gebrauchte Baumaschine sollte niemals ausschließlich anhand ihrer Reifen bewertet werden.

 

Die Reifenprüfung sollte Teil einer umfassenden technischen Kontrolle sein.

 

Bei einer gebrauchten radgetriebenen Baumaschine sollten Sie zusätzlich prüfen:

  • Motor
  • Hydraulik
  • Getriebe
  • Achsen
  • Lenkung
  • Bremsen
  • Fahrwerk
  • Elektrik
  • Arbeitsausrüstung
  • Kabine
  • Rahmen
  • Wartungshistorie
  • Betriebsstunden
  • Anbaugeräte

 

Eine aktuelle Kaufcheckliste für gebrauchte Baumaschinen empfiehlt ebenfalls, Reifen nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit Achsen, Fahrwerk und einer Probefahrt zu prüfen.

 

Typische Fehler beim Prüfen gebrauchter Baumaschinenreifen

 

Nur die Profiltiefe ansehen

 

Die Profiltiefe ist wichtig, aber nicht ausreichend. Seitenwände, Karkasse, Felgen und Verschleißbild müssen ebenfalls kontrolliert werden.

 

Nur einen Reifen prüfen

 

Alle Reifen sollten einzeln kontrolliert und miteinander verglichen werden.

 

Reifendruck nach Gefühl beurteilen

 

Der richtige Druck muss anhand der konkreten Maschine, Reifen und Einsatzbedingungen beurteilt werden.

 

Risse als reine Gebrauchsspuren abtun

 

Bei sichtbaren strukturellen Schäden sollte ein Reifenfachmann entscheiden, ob der Reifen weiter eingesetzt werden kann.

 

Felgen und Achsen vergessen

 

Ein Reifenproblem kann mit weiteren Fahrwerksproblemen zusammenhängen. Deshalb sollten Felgen, Achsen und Lenkung ebenfalls kontrolliert werden.

 

Reifenbedarf nicht in den Kaufpreis einrechnen

 

Mehrere kurzfristig notwendige Reifen können den wirtschaftlichen Vorteil einer gebrauchten Maschine erheblich reduzieren.

 

Checkliste: Reifen einer gebrauchten Baumaschine prüfen

 

  • ☐ Alle Reifen einzeln kontrolliert
  • ☐ Profiltiefe an mehreren Stellen gemessen
  • ☐ Laufflächen kontrolliert
  • ☐ Seitenwände kontrolliert
  • ☐ Schulterbereiche kontrolliert
  • ☐ Risse ausgeschlossen beziehungsweise dokumentiert
  • ☐ Schnitte geprüft
  • ☐ Beulen und Verformungen geprüft
  • ☐ Karkasse auf sichtbare Schäden kontrolliert
  • ☐ Felgen geprüft
  • ☐ Ventile geprüft
  • ☐ Ventilkappen vorhanden
  • ☐ Reifendruck gemessen
  • ☐ Reifendruck mit Herstellerangaben verglichen
  • ☐ Reifen auf gleichmäßigen Verschleiß geprüft
  • ☐ Linke und rechte Seite verglichen
  • ☐ Vorder- und Hinterachse verglichen
  • ☐ Reifengröße geprüft
  • ☐ Tragfähigkeit geprüft
  • ☐ Reifenhistorie erfragt
  • ☐ Reparaturen dokumentiert
  • ☐ Probefahrt durchgeführt
  • ☐ Achsen geprüft
  • ☐ Lenkung geprüft
  • ☐ Bremsen geprüft
  • ☐ zukünftiger Reifenbedarf kalkuliert

 

Wie viel Reifenverschleiß ist bei einer gebrauchten Baumaschine akzeptabel?

 

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

 

Ob ein Reifen noch wirtschaftlich nutzbar ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Reifenart
  • Maschine
  • Einsatzgebiet
  • Belastung
  • Untergrund
  • Reifendruck
  • sichtbarer Zustand
  • Profiltiefe
  • Strukturzustand
  • geplante Restnutzungsdauer

 

Deshalb sollte ein Reifen nicht allein aufgrund eines bestimmten Profilwertes als „gut“ oder „schlecht“ bezeichnet werden. Entscheidend ist die Gesamtbeurteilung.

 

Wann sollte ein Reifen einer gebrauchten Baumaschine ersetzt werden?

 

Ein Austausch kann erforderlich sein, wenn der Reifen beispielsweise die technische oder gesetzliche Verschleißgrenze erreicht hat oder strukturelle Schäden aufweist.

 

Auch starke Beschädigungen, sichtbare Karkassenbestandteile, bestimmte Wulstschäden, Trennungen oder erhebliche Verformungen können gegen eine weitere Nutzung sprechen.

 

Michelin weist ausdrücklich darauf hin, dass bestimmte strukturelle Schäden nicht als normale Gebrauchsspuren behandelt werden sollten und eine fachkundige Untersuchung erforderlich ist.

 

Reifen bei gebrauchten Baumaschinen wirtschaftlich bewerten

 

Für einen professionellen Käufer ist der Reifen nicht nur ein technisches, sondern auch ein wirtschaftliches Thema.

 

Eine sinnvolle Kalkulation kann beispielsweise folgende Punkte berücksichtigen:

  • aktueller Kaufpreis
  • aktueller Reifenbestand
  • Restlebensdauer der Reifen
  • kurzfristig notwendige Reifen
  • mittelfristiger Reifenbedarf
  • Montagekosten
  • mögliche Felgenarbeiten
  • mögliche Fahrwerksreparaturen
  • geplante Nutzungsdauer der Maschine

 

Dadurch erhalten Sie ein realistischeres Bild der tatsächlichen Investition.

 

Der Reifen als Hinweis auf die bisherige Wartung

 

Auch der Zustand der Reifen kann Hinweise darauf geben, wie konsequent eine Maschine bisher gewartet wurde.

 

Fragen Sie beispielsweise:

  • Wurde der Reifendruck regelmäßig kontrolliert?
  • Gab es häufige Reifenwechsel?
  • Wurden Schäden dokumentiert?
  • Wurden Reifen fachgerecht repariert?
  • Wurden die Reifen passend zum Einsatz ausgewählt?
  • Existieren Wartungs- und Reparaturrechnungen?

 

Die Antworten sollten möglichst mit der sichtbaren Maschine und den vorhandenen Unterlagen übereinstimmen.

 

Reifenprüfung bei gebrauchten Baumaschinen: Was wirklich zählt

 

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Ein Reifen ist mehr als seine Profiltiefe.

 

Für eine fundierte Kaufentscheidung müssen Profil, Lauffläche, Seitenwand, Karkasse, Reifendruck, Felge und Verschleißbild gemeinsam betrachtet werden.

 

Ebenso wichtig ist die Verbindung zur Maschine. Ungleichmäßiger Reifenverschleiß kann beispielsweise Anlass sein, Achsen, Lenkung oder andere Fahrwerkskomponenten genauer zu untersuchen.

 

Auch der zukünftige Einsatz spielt eine zentrale Rolle. Ein Reifen, der für den bisherigen Einsatz ausreichend war, muss nicht automatisch die beste Wahl für Ihre zukünftigen Aufgaben sein.

 

Fazit: Reifen bei gebrauchten Baumaschinen richtig prüfen

 

Wer eine gebrauchte Baumaschine kauft, sollte die Reifen systematisch prüfen und nicht nur einen kurzen Blick auf das Profil werfen. Gerade bei Radladern, Mobilbaggern, Teleskopladern und Dumpern können Reifen einen erheblichen Einfluss auf Sicherheit, Einsatzbereitschaft und laufende Kosten haben.

 

Kontrollieren Sie deshalb Profiltiefe, Lauffläche, Seitenwände, Karkasse, Reifendruck, Felgen, Ventile und Verschleißbild. Vergleichen Sie die einzelnen Reifen miteinander und achten Sie auf ungewöhnliche Unterschiede.

 

Besonders wichtig sind sichtbare Schnitte, Risse, Beulen, Verformungen oder freiliegende Karkassenbestandteile. Solche Schäden sollten fachgerecht beurteilt werden und nicht einfach als normale Gebrauchsspuren abgetan werden. Michelin empfiehlt bei sichtbaren Schäden an Lauffläche, Seitenwand oder Felgenbereich eine gründliche Untersuchung durch einen Reifenfachmann.

 

Auch der Reifendruck sollte nicht unterschätzt werden. Der richtige Druck hängt von Maschine, Reifen, Last und Einsatzbedingungen ab. Zu niedriger oder zu hoher Druck kann Verschleiß, Traktion, Fahrverhalten und Betriebskosten negativ beeinflussen.

 

Für die Kaufentscheidung zählt letztlich nicht, ob die Reifen noch „gut aussehen“, sondern welche Restnutzungsdauer realistisch ist, welche Investitionen bevorstehen und ob der technische Zustand zum Kaufpreis passt.

 

Genau diese Betrachtungsweise ist bei gebrauchten Baumaschinen entscheidend: Nicht der niedrigste Kaufpreis macht eine Maschine automatisch zum guten Geschäft, sondern das Verhältnis aus Anschaffungskosten, technischem Zustand, zu erwartendem Reparaturbedarf und wirtschaftlicher Nutzbarkeit.

 

Gebrauchte Baumaschinen professionell bewerten

 

Das BAUMASCHINENZENTRUM beschäftigt sich mit gebrauchten Baumaschinen und Baugeräten und betrachtet Maschinen deshalb nicht nur anhand von Baujahr, Betriebsstunden oder äußerem Erscheinungsbild. Für eine realistische Einschätzung sind unter anderem technischer Zustand, Ausstattung, Einsatzbereich und wirtschaftliche Verwendbarkeit relevant.

 

Ob gebrauchter Radlader, Mobilbagger, Teleskoplader oder Dumper: Eine gründliche Reifenprüfung kann dabei helfen, den tatsächlichen Zustand einer Maschine besser einzuschätzen und mögliche zukünftige Kosten bereits vor dem Kauf zu berücksichtigen.

 

FAQ: Reifen bei gebrauchten Baumaschinen prüfen

 

Worauf sollte man bei Reifen gebrauchter Baumaschinen achten?

 

Wichtig sind Profiltiefe, Lauffläche, Seitenwände, Karkasse, Reifendruck, Felgen, Ventile und gleichmäßiger Verschleiß. Außerdem sollten Reifengröße und Tragfähigkeit zur Maschine passen.

 

Wie erkennt man verschlissene Reifen bei einem gebrauchten Radlader?

 

Neben geringer Profiltiefe können stark abgenutzte Profilbereiche, ungleichmäßiger Verschleiß, beschädigte Seitenwände, Risse oder Schnitte Hinweise auf einen kritischen Zustand sein. Der Reifen sollte immer als Ganzes beurteilt werden.

 

Warum ist ungleichmäßiger Reifenverschleiß problematisch?

 

Ungleichmäßiger Verschleiß kann durch Reifendruck, Einsatzbedingungen oder Fahrweise entstehen. Er kann aber auch auf technische Probleme an Fahrwerk, Achsen oder Lenkung hinweisen und sollte deshalb genauer untersucht werden.

 

Wie wichtig ist der Reifendruck bei gebrauchten Baumaschinen?

 

Sehr wichtig. Der Reifendruck beeinflusst unter anderem Tragfähigkeit, Traktion, Stabilität, Rollwiderstand und Verschleiß. Maßgeblich sind die Angaben des Maschinen- beziehungsweise Reifenherstellers. Michelin empfiehlt, den Druck bei kalten Reifen zu prüfen.

 

Sind Risse in Baumaschinenreifen ein Ausschlusskriterium?

 

Das hängt von Art, Position und Ausmaß des Risses ab. Sichtbare strukturelle Schäden sollten jedoch fachgerecht beurteilt werden. Bei bestimmten Schäden darf ein Reifen nicht einfach weiter eingesetzt werden.

 

Sollte man bei einer gebrauchten Baumaschine alle Reifen vergleichen?

 

Ja. Der Vergleich aller Reifen kann Unterschiede bei Verschleiß, Profil, Reifentyp und Zustand sichtbar machen. Besonders Unterschiede auf derselben Achse sollten genauer untersucht werden.

 

Was bedeutet ein stark abgefahrener Reifen beim Kauf einer gebrauchten Baumaschine?

 

Ein stark verschlissener Reifen bedeutet zunächst zusätzlichen Investitionsbedarf. Ob die Maschine trotzdem interessant ist, hängt davon ab, wie viele Reifen betroffen sind, wie hoch die Ersatzkosten ausfallen und wie der Kaufpreis kalkuliert wurde.

 

Kann man gebrauchte Baumaschinen mit schlechten Reifen kaufen?

 

Ja, sofern der Zustand bekannt ist und die notwendigen Investitionen realistisch in die Kaufentscheidung einbezogen werden. Eine Maschine mit schlechtem Reifenbestand kann bei entsprechendem Kaufpreis wirtschaftlich interessant sein.

 

Was sollte man bei Reifen von gebrauchten Mobilbaggern prüfen?

 

Neben Profiltiefe, Seitenwänden und Reifendruck sollten insbesondere Achsen, Lenkung, Bremsen, Felgen und das allgemeine Fahrverhalten geprüft werden. Eine Probefahrt ist deshalb besonders sinnvoll.

 

Was sollte man bei Reifen eines gebrauchten Teleskopladers beachten?

 

Wichtig sind Tragfähigkeit, Profil, Seitenwände, Reifendruck, Felgen und der allgemeine Zustand. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob die vorhandene Bereifung zum zukünftigen Einsatz und zu den vorgesehenen Lasten passt.

 

Wann sollte ein Reifen einer gebrauchten Baumaschine fachgerecht geprüft werden?

 

Insbesondere bei sichtbaren Rissen, Schnitten, Beulen, Verformungen, Karkassenschäden, unklaren Reparaturen oder ungewöhnlichem Verschleiß sollte ein qualifizierter Reifenfachbetrieb hinzugezogen werden.

 

Wie sollte man Reifen in die Kaufpreisverhandlung einbeziehen?

 

Ermitteln Sie zunächst, welche Reifen kurzfristig ersetzt werden müssen und welche Kosten einschließlich Montage entstehen. Dieser konkrete Investitionsbedarf kann anschließend bei der wirtschaftlichen Bewertung der gebrauchten Baumaschine berücksichtigt werden.

 

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